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Historische Vorausbemerkungen
W
enn es um Geschichte im Allgemeinen und um die Geschichtlichkeit von Ortschaften und Landschaften im Besonderen geht, spielen urkundliche Belege zur Beweisführung stets eine herausragende Rolle. Wir Menschen klammern uns nun einmal gerne an feste Daten und sprechen dann, uns auf sie stützend, von der „ersten urkundlichen Erwähnung“ dieses oder jenen Ortes. Doch im Grunde genommen bedürfte es solcher Urkunden gar nicht, um das hohe Alter der im Klettgau gelegenen Ortschaften zu beweisen, die allesamt weitaus älter als ihre ersten urkundlichen Erwähnungen sind. Allein schon der Name eines Ortes zeigt dem geschichtsbewanderten Zeitgenossen, ob es sich z.B. um eine alemannische (Ortsendung „...ingen“), oder eine fränkische Siedlung (Ortsendung „...heim“) handelt. Zudem belegen die vielen Funde, die vor allem seit der Mitte des 19. Jh. bis zurück in die Hallstattzeit gemacht wurden, dass auf den fruchtbaren Böden des Klettgaus schon weit vor der Besiedlung durch die Alemannen (260 n.Chr.) immer wieder Menschen sesshaft waren.

Die Geschichtsepochen im Überblick
Nach der langen keltischen Epoche in den Jahrhunderten v. Chr. haben alsdann schließlich vor allem die Römer im Klettgau vielfältige Spuren hinterlassen, so dass noch heute auf Grund von Überresten die Linienführungen römischer Straßen erkennbar sind, unter denen wohl die Verbindung zwischen dem römischen Militärlager in Tenedo (Zurzach) und Juliomagus (Schleitheim) die bekannteste ist. Am Verlauf und der Führung dieser römischen Straße erweist sich aber auch deutlich die verkehrsgünstige Lage der späteren alemannischen Siedlungen im Klettgau, die freilich erst nach dem Rückzug der Römer aus dem Gebiet rechts des Rheins entstehen konnten und die in den nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder, meist leidvoll, den großen geschichtlichen Umwälzungen unterworfen waren.
Erst die spätere fränkisch-karolingische Einteilung des Reiches in Gaue führte im 8. Jh. schließlich zur Namensgebung des sich zwischen Rhein, Wutach und Randen erstreckenden Landstriches, der sich als Landgrafschaft später unter der Herrschaft der Grafen von Sulz und den Fürsten von Schwarzenberg von einem eigenen Territorium zu einem kleinen Staat mit dem Regierungssitz Tiengen, entwickelte. -
Aber noch wichtiger als die Landesherren war für das dörfliche Leben des Klettgaus seit dem 9. Jh. über Jahrhunderte hinweg der größte Grundbesitzer und Grundherr des Klettgau: Die Abtei Rheinau, die durch adelige Schenkungen zu überaus reichen Besitzungen und Rechten in der gesamten Landgrafschaft gekommen war und die mit ihrem Status von den Bauern des Klettgau die verschiedenen Zinsen als Entgelt für die Bewirtschaftung der klösterlichen Lehensgüter erhob und darüber hinaus auch als Inhaberin der Patronatsrechte der verschiedenen Pfarrkirchen den „Zehnten“ kassierte.
Im Mittelalter machten immer wieder bedeutende Adelsfamilien des Schwarzwald-Hochrhein-Gebietes, die eigentlich als Schutzvögte der Abtei Rheinau hätten tätig sein sollen, den Versuch, sich die Besitzungen und Rechte dieses Klosters anzueignen, um auf ihnen widerrechtlich eigene Herrschaften aufzubauen und sich damit zu den Herren der Dörfer aufzuspielen. Das tat schon im 11. Jh. der Adelige Otteram, der auf einem kleinen Hügel im Weisweiler Seegrabental am Rande des Hardtwaldes die Weissenburg erbaute, um von dort die Rheinauer Besitzungen in den umliegenden Dörfern zu beherrschen. Nachdem ihm der König dies untersagte, zur Strafe die Weissenburg weggenommen -und der Abtei Rheinau übereignet hatte, rissen im 12. Jh. Mitglieder eines anderen Adelsgeschlechtes erneut die Burg an sich und benannten sich gar nach ihr als die „Herren von Weissenburg“. Im 13. Jh. waren es dann die Herren von Krenkingen, von denen eine Linie ebenfalls auf der Weissenburg residierte und von dort aus ihr raubritterisches Unwesen trieb, bis sie vom König Rudolf von Habsburg mit der völligen Zerstörung der Burg in die Schranken verwiesen wurden. Doch auch die Grafen von Habsburg selbst hatten weite rheinauische Vogtrechte und Besitzungen, die später auf die Grafen von Sulz und die Schwarzenberger übergingen. Trotz all dieser starken adeligen Einflüsse blieb aber die Abtei auf der Rheininsel letztlich unangefochten bis in die Neuzeit hinein in den Klettgaudörfern die allein vorherrschende Macht.

Kriegerische Jahrhunderte mit weitreichenden Folgen
Gleich nach der Wende vom 15. zum 16. Jh. ergaben sich im Klettgau die wohl schwerwiegendsten Veränderungen. Nachdem die Stadt Schaffhausen im Jahre 1454 ihr erstes Bündnis mit der schweizerischen Eidgenossenschaft eingegangen war, entstand bereits 1499 beim Ausbruch des sog. Schwaben- bzw. Schweizerkrieges die Gefahr einer Spaltung des Klettgaus. Gerade im unteren Klettgau, wo die Klettgaudörfer Wilchingen und Trasadingen schon seit dem ausgehenden 14. Jh. dem Schaffhauser Spital unterstanden und sehr bald zu den Eidgenossen tendierten, prallten die Fronten besonders scharf aufeinander, denn diese Dörfer gehörten seit Jahrhunderten zur Pfarrei des benachbarten zentralen Pfarrortes Erzingen, der - wie auch Rechberg und Weisweil „reichstreu“ zur kaiserlichen Seite standen. Im Jahre 1512 wurden die Orte Wilchingen und Trasadingen schließlich nach langen Streitigkeiten aus dem seit rund 8 Jahrhunderten bestehenden selbständigen Kirchspiel Erzingen als eigenständige Pfarrei herausgelöst. Sie konvertierten schließlich im dritten Jahrzehnt des 16. Jh. zusammen mit Schaffhausen zum Protestantismus und damit entstand im Klettgau nun plötzlich eine Grenze, die als Folge einen schweizerischen und einen deutschen Klettgau hinterließ. Das hatte schließlich vor allem im kriegerischen 16. und 17. Jh. für die Grenzen der Landgrafschaft Klettgau weitreichende, ja fatale Folgen. Doch auch danach ergaben sich noch einschränkende Änderungen für die Landgrafschaft. Nach langen Kriegen in arger Geldnot befindlich, verkaufte der Graf von Sulz am 17. Juli 1651 schließlich auch noch für 46’980 Gulden alle Hoheitsrechte auf dem Rafzerfeld an die Stadt Zürich. Damit ging eine lange Phase zu Ende, in der sich einst Zürich und die Landgrafschaft Klettgau die Herrschaftsrechte auf dem Rafzerfeld teilten, das nun als Folge des Verkaufs zur Eidgenossenschaft optierte. Nach langen und schweren Kriegszeiten war der Klettgau im wahrsten Sinne des Wortes ausgeblutet und es bedurfte vieler Jahrzehnte für den Wiederaufbau der beträchtlich geschrumpften Landgrafschaft, die schließlich vom aussterbenden Geschlecht derer von Sulz durch Heirat auf das Fürstengeschlecht von Schwarzenberg überging.

Napoleonische Grenzziehungen, der Klettgau wird badisch
Nach dieser unruhigen Phase mit ihren Grenzziehungen weist die Geschichte des Klettgaus keine besonderen Höhepunkte mehr auf. Die Bevölkerung der Dörfer des nunmehr schwarzenbergischen Klettgaus und ihre Hauptstadt Tiengen teilten untereinander Freud und Leid und erst die große napoleonische Flurbereinigung auf der deutschen Landkarte zu Beginn des 19. Jh. hat dann schließlich das Leben in der alten Landgrafschaft Klettgau, im deutschen wie auch im schweizerischen Teil, wieder wesentlich verändert. Durch die grenzverrückenden Federstriche Napoleons, die u.a. auch zur Bildung des Großherzogtums Baden führte, wurde die Landgrafschaft Klettgau im Jahre 1812 aufgelöst und in den badischen Staatsverband eingegliedert. Plötzlich war für die Bevölkerung des Klettgau nun nicht mehr das nahe Tiengen die Hauptstadt, sondern die Regierung saß von nun an weit ab im völlig unbekannten Karlsruhe. Als 1835 dieses junge Großherzogtum dem neugebildeten deutschen Zollverein beitrat, wurde aus der wirtschaftlich bisher nie sehr hemmend wirkenden Grenze zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Klettgau nun auch in dieser Hinsicht plötzlich eine echte Grenze – und die Jahrhunderte langen engen Verflechtungen des Klettgau mit dem nahegelegenen Handelszentrum Schaffhausen erfuhr damit für die Zukunft eine empfindliche Störung, denn in den Grenzorten des Klettgau wurden Zollämter errichtet und Zollbeamte kontrollierten von nun an die Grenze zwischen dem Schweizerischen und dem Badischen Klettgau. Allmählich begann sich auch die Industrialisierung bemerkbar zu machen; Schweizer Firmen siedelten Zweigbetriebe jenseits der neu entstandenen Wirtschaftsgrenze im Badischen an, um auch im Zollvereinsgebiet auf den Markt zu gelangen. (Übrigens: Welch interessante Analogie zum heutigen EU-Markt!) Doch für einen richtigen wirtschaftlichen Aufschwung war die richtige Voraussetzung erst geschaffen, als am 15. Juni des Jahres 1863 die Bahnstrecke von Waldshut nach Schaffhausen und Konstanz ihre Eröffnung fand.

Bei allen industriellen Umgestaltungen und Veränderungen der folgenden Jahrzehnte, bis in unsere Zeit, und bei allem erstrebenswerten Fortschritt sollten wir aber das Wissen um unser Herkommen, das Wissen um die Vergangenheit unserer Wohnorte und ihrer Sitten und Gebräuche mit einem gesunden Traditionsbewusstsein stets aufrecht erhalten und bewahren. Dazu wollen die Seiten dieser Homepage einen Beitrag leisten.

(Diesen Ausführungen liegen historische Schriften von Herrn Dr. Helmut Maurer, Stadtarchivrat von Konstanz, aus dem Jahre 1970 zu Grunde.)

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